Heute: Was der Feind so sendet - ein Interview mit Gerhard Wisnewski
Geschrieben von Gerhard Wisnewski   
Friday, 5. May 2006

Politik

IRIBWisnewskiHören Sie doch mal Feindsender! Ist bestimmt ganz nützlich, bevor der Iran demnächst im großen Kampf der Salatkulturen Ihren Vorgarten besetzt. Vor kurzem führte Seyed Hedayatollah Shahrokny ein Interview mit mir für das deutsche Programm von Islamic Republic of Iran Broadcasting (IRIB). Auf dieses Programm möchte ich hiermit auch freundlich hinweisen. Vielleicht ist es mal ganz sinnvoll, iranische Stimmen im Original zu hören, statt durch die üblichen CIA-Flüstertüten.



Bush will Armageddon veranstalten

Ein Interview mit dem Autor Gerhard Wisnewski

Von Seyed Hedayatollah Shahrokny

Rundfunk: Herr Wisnewski, von Ihnen ist neulich ein Artikel erschienen mit dem Titel: Bush wird Armageddon veranstalten. Meine erste Frage an Sie, wie kommen Sie überhaupt auf diesen Titel?

Wisnewski: Das ist nicht eine ursprünglich neue Idee von mir. Diese Vorstellung geht schon seit langem durch die Medien. Und das geht auch auf Bushs christlich-fundamentalistische Einstellung zurück, die damit zu tun hat, dass manche Leute in seiner Umgebung sich mit dem Gedanken angefreundet haben, die biblische Geschichte zu ihrem Ende zu treiben. Und das wäre in diesem Fall ein Ereignis wie Armageddon. Also dieses Armageddon gehört zur Bushs Ideenwelt und den fundamentalistisch-christlichen Menschen, die ihn umgeben. Und daher müssen wir auch befürchten, dass diese Leute nicht nur in einer Glaubenswelt leben, sondern auch versuchen, diese Glaubenswelt tatsächlich auf der Erde umzusetzen. Und das ist ja das gefährliche daran.

Rundfunk: Gibt es Ihrer Ansicht nach Gründe dafür, weshalb Bush unbedingt diese Pläne in die Praxis umsetzen will?

IRIB
   Hat jemand mal ein Kruzifix? Das ist ja arabisch...
Wisnewski: Das Problem ist, dass man bei der Bush-Administration nur zum Teil davon sprechen kann, dass sie rational handelt. Wenn wir es nur mit rationalen Interessen zu tun hätten, so egoistisch und räuberisch sie auch sein mögen, ist es noch lange nicht so schlimm wie ein irrationales Verhalten. Dieses irrationale Verhalten würde ich darin sehen, dass hier überlegt wird, ob man biblische Modelle in die Tat umsetzen sollte, wie Armageddon.

Rundfunk: Glauben Sie, dass die Zeit dafür geeignet ist?

Wisnewski: Ich glaube, dass die Vereinigten Staaten sowieso praktisch vor einem impliziten Armageddon stehen, was ihre diversen Krisen angeht. Die USA begeben sich in mindestens ein halbes Dutzend Krisen. Politisch, wirtschaftlich, was die Glaubwürdigkeit angeht, Energiekrise etc. Also es gibt fast keine Krise, in die die Vereinigten Staaten nicht verwickelt sind.

Rundfunk: Für die Verbreitung jeder Idee, jeder Weltanschauung braucht man doch Medien. Hat Bush diese Medien?

Wisnewski: Bedauerlicherweise hat er diese Medien. Wir können ja jeden Tag weltweit beobachten, wie sich die Medien nach dieser fundamentalistischen Gedankenwelt ausrichten, aber auch nach dieser neokonservativen Gedankenwelt. Sie wissen ja wahrscheinlich, dass die Bush-Regierung sehr stark von den Neo-Konservativen gesteuert wird. Und Sie können ja sehen, dass die Medien weltweit dem keinen Widerstand entgegensetzen, sondern diese Ideen noch transportieren. Zum Beispiel die Eskalation im Fall Iran transportieren, und ein Krieg gegen den Iran könnte ja ein Schritt zum Armageddon sein, weil natürlich klar ist, dass die Gefahr besteht, dass alles in dieser Region in die Luft fliegt.

Rundfunk: Nicht nur Medien, sondern auch manche Regierungen, wie Deutschland, unterstützen die Bush-Regierung bei der Umsetzung ihrer Pläne.

Wisnewski: Das ist sehr bedauerlich, dass wir hier einen krassen Kurswechsel mit der Regierung Merkels erlebt haben. Die Bundeskanzlerin hat sofort auf den Kurs von George Bush eingeschwenkt. Das halte ich für verantwortungslos, weil Deutschland hiermit in diesen Konflikt hineingezogen wird. Deutschland wurde damit Partei, die es vorher so nicht war in Sachen Iran. Und wenn man in einem Konflikt Partei wird, dann wird das enorme Gefahren für das eigene Land mit sich bringen.

Rundfunk: Wenn man Ihre Artikel und Ihre Bücher liest, kommt man zur Schlussfolgerung, dass Sie hinter fast allen Ereignissen der letzen Jahre Szenarien sehen. Liege ich mit meiner Annahme richtig?

Wisnewski: Was die wichtigen, großen Ereignisse betrifft, da liegen Sie richtig. Denn ein berühmter Mensch sagte einmal, in der Politik passiert nichts zufällig. Nehmen wir den Karikaturstreit. Der Karikaturstreit ist für mich eine komplette Inszenierung, die dazu diente, den künstlichen Kampf der Kulturen eskalieren zu lassen, um der Weltbevölkerung mal wieder zu zeigen, wie radikal und gewalttätig die Muslime sind. Das wäre für mich ein Beispiel für Inszenierung.

Rundfunk: Also Sie glauben, dass der Gedanke 
Dialog der Kulturen“ nicht ernst ist.

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Wisnewski: Ich glaube ehrlich gesagt, dass der Dialog nicht ernst gemeint ist. Ich glaube, nachdem es eine Eskalation in diesem „Kampf der Kulturen“ gegeben hat, und nun ein Dialog gefordert wird, hat man eine weitere Stufe beschritten, weil vorher so ein Dialog ja gar nicht nötig war. Muslime und Christen hatten ja in weiten Teilen der Welt zusammen friedlich gelebt. Dass man jetzt anfangen will, einen schmerzvollen Dialog zu führen, und dass man behauptet, ein solcher Dialog sei notwendig, zeigt bereits, dass man eine gewisse Stufe der Eskalation erreicht hat. Meiner Meinung nach werden noch ein paar weitere Stufen folgen. Man wird sagen, guckt mal, wie radikal die Muslime sind, und dass auch kein Dialog hier weiter geholfen hat; nun müssen wir tatsächlich zur militärischen Gewalt greifen.

Rundfunk: Was will man den letztendlich damit erreichen?

Wisnewski: Alle große Bewegungen, alle politischen Bewegungen, alle Glaubensrichtungen, alle Staaten sind aufeinander angewiesen, und es absolut unverantwortlich, zwischen zwei so wichtige Gruppen einen Konflikt anzuzetteln. Das grenzt für mich an globale Brandstiftung.

Rundfunk: Ihre Analysen kommen bei der Öffentlichkeit gut an, jedoch nicht bei etablierten Medien. Sehen Sie dafür irgendwelche Gründe?

Wisnewski: Ich glaube, dass sich die etablierten Medien der Bush-Linie angeschlossen haben. Die etablierten Medien sind auf den eskalierenden Konflikt der Kulturen eingeschworen, und die möchten hier keine störende Stimme haben.

Rundfunk: Angesichts der Weltlage, wie sehen Sie in die Zukunft?

Wisnewski: Es ist äußerst ambivalent. Es gibt wahrscheinlich zwei Versionen. Die eine Version wäre für mich, dass der ganze Konflikt zu einem Desaster eskaliert, in das unheimlich viele Staaten hineingezogen werden, in das die Weltwirtschaft hineingezogen wird, und in das letztendlich jeder Mensch hineingezogen wird. Die andere Version wäre, dass das amerikanische Imperium diese Inszenierung selber nicht überlebt und von seinen eigenen Krisen eingeholt wird.

Rundfunk: Um irgend etwas erreichen zu können, um ein Land erobern zu können und um irgendwelche Interessen durchsetzen zu können, muss man zunächst die Herzen der Menschen erobern.

Wisnewski: Die Vorgehensweise der westlichen Länder dient dazu, diesen Konflikt weiter anzuheizen. Das selbstherrliche Auftreten der USA wird zu weiteren Widerständen führen. Diese Widerstände werden in den westlichen Ländern dann wieder als Beweis dienen, dass die Muslime nicht kompromissbereit sind.

Rundfunk: Und was kommt als letztes?

Wisnewski: Also, wenn ich Recht haben würde, und ich bin ja mit dieser Meinung nicht alleine da, dass sich das amerikanische Imperium in einer tödlichen Krise befindet, dann ist es möglich mit so einer Krise zu kaschieren. Zum Beispiel den Zusammenbruch des Finanzsystems zu kaschieren geht in einem Krieg viel leichter als in Friedenszeiten, wo für jeden offensichtlich wäre, dass der Dollar plötzlich nichts mehr wert wäre.

Die Originalseite des Interviews:

http://german.irib.ir/files/interviews/interview117.asp

 
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