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Ich wünsche allen Freunden und Lesern schöne Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2018! Vielen Dank für das Interesse und die Unterstützung in 2017! Mögen alle Hoffnungen in Erfüllung gehen und sich alle Befürchtungen nicht bewahrheiten. Ihr Gerhard Wisnewski

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2007: Blumen Gießen nicht vergessen PDF Drucken E-Mail
Sunday, 31. December 2006

Politik Liebe Leser und Besucher,

Sie kennen ja die beliebte Bauspar-Werbung, in der sich nur Spießer um einen Bausparvertrag und um ihr Häuschen kümmern. Nun, zum Jahresende habe ich ebenfalls einen wirklich spießigen Anschlag auf Sie vor. Ich habe lange überlegt, wie mein Anliegen am wenigsten betulich und am wenigsten nach dem Wort zum Sonntag für Arme klingen könnte. Ob es mir gelungen ist, das müssen Sie beurteilen:


Worum man sich nicht so alles täglich kümmert: man duscht, putzt sich die Zähne, wäscht die Wäsche, füttert die Kinder, den Hund und die Katze und gießt die Blumen. Denn was würde mit Kindern, Hund und Katze und Blumen passieren, wenn man sich nicht um sie kümmern würde? Brutal formuliert: sie würden es nicht überleben.  Das liegt daran, daß im Laufe der Zeit alle Systeme zum Chaos und Verfall streben. Und um das aufzuhalten, muß man dauernd an ihnen arbeiten. Von Liebe mal ganz abgesehen. Ohne Input gibt es  keine Stabilität. Denn Stabilität ist in solchen Fällen nichts Starres, sondern ein Fließgleichgewicht zwischen mehr oder weniger spontanem Zerfall und Erhaltungsanstrengungen. Das trifft natürlich genauso für unsere Wohnung und unser Haus zu, und wenn wir weiter sicher und bequem darin leben wollen, müssen wir ebenfalls ständig etwas dafür tun. Ich habe lang überlegt: Liegt es an mir, daß das so spießig klingt? Nein, das Leben ist so: gnadenlos spießig. Hat man sich damit erstmal abgefunden, geht es einem schon besser. Das Problem ist, daß in den letzten Jahren ein Sorgenkind dazugekommen ist, für das wir bisher nur wenig tun mußten. Das Ganze schien aus sich heraus stabil zu sein, und wenn irgendetwas nicht in Ordnung war, dann schienen sich andere darum zu kümmern. Seit einigen Jahren ist das betreffende System jedoch einem rapiden Zerfall ausgesetzt, wenn nicht sogar einer bewußten und fortschreitenden Zerstörung.
Nun ist es ja so, daß sich in Deutschland wahnsinnig viele Leute hingebungsvoll um ihr Häusle kümmern. Da wird geputzt und gemalert, gehämmert und gewienert, und wenn der Nachbar einen Ast im Garten umknickt, toben jahrlange Grabenkriege. Sehr schön - lassen Sie sich nur nicht unterbrechen. Es gibt da aber noch ein übergeordnetes System, in dem das Haus steht und auch das des Nachbarn, genauso wie das Gericht, vor dem sich Manche hingebungsvoll beharken. Ein System, in dem sie zur Arbeit gehen  und in dem  ihre Kinder aufwachsen. Zwar ist dieses System nicht alles, aber ohne es ist alles nichts. Und während Viele stolz auf ihr strahlendes Eigenheim oder sonstige Errungenschaften blicken, wollte ich nur darin erinnern, daß all dies in einem Abrißgelände steht: unserer Demokratie. Seit Deutschland mit dem Fall der Mauer und dem Untergang des Ostblocks seine Frontstaat- und Schaufensterfunktion verloren hat, werden Demokratie und Sozialstaat abgewickelt. Warum? U.a. weil man das "Modell Deutschland" und die "Freiheitlich-Demokratische Grundordnung" nicht mehr als Propagandawaffe gegen den Osten braucht. Man ist vielmehr der Meinung, daß in Deutschland nunmehr dieselben bedrückenden Lebensverhältnisse einziehen können, wie anderswo auch. Demokratie? Pah! Haben Sie etwa daran geglaubt?

Ich schon. Ich bin auf diese Propaganda dummerweise hereingefallen, was mir neuerdings plötzlich vorgeworfen wird. Nämlich, daß ich auf demokratischen Verfahren und Prozessen bestehe. Ich bin zum Teil ein Kind der amerikanischen Nachkriegspropaganda, das von seinen Eltern gemaßregelt wird, weil es deren hohles Geschwätz für bare Münze genommen hat. Aber eben nur zum Teil. Zum anderen Teil  glaube ich an die Demokratie als einzig menschenwürdige Regierungsform. Und damit bin ich ja genausowenig ein armer Irrer wie Sie, sondern kann auf eine mehrtausendjährige Tradition gewichtiger Denker und Philosophen zurückblicken.  Der Vorteil dieser Regierungsform besteht darin, daß Menschen nur hier mehr oder weniger menschenwürdig existieren können. Der Nachteil ist die Instabilität. Die Instabilität beruht auf dem komplizierten Balancesystem und dem labilen (Fließ-) Gleichgewicht der Kräfte. Werden di
ese Kräfte nicht ständig sauber austariert, geht eine Demokratie den berühmten Bach hinunter. Wollte man eine Demokratie in einem Schaubild darstellen, sähe das in etwa so aus wie rechts. Puh, nicht gut, wie? Wenn wir jetzt mal bei dem Bild mit dem  Häuschen bleiben, dann hätten wir nicht auf Sand gebaut, sondern auf der Kuppe eines nach allen Seiten abschüssigen Hügels. Was meinen Sie, wie da alle sofort rennen würden, um das Häuschen abzustützen. Aber auch die Demokratie  bleibt nur dann an ihrem Ort, wenn die Kräfte um sie herum genau ausbalanciert sind. Gewinnt eine Kraft die Oberhand, wird die Kugel aus ihrer Position rollen. Das Problem ist nur, daß es sich nur hier wirklich gut leben läßt. Ein geradezu tragisches Dilemma.

Was tun? Ganz einfach: wir müssen der Demokratie stabilisierende Kräfte zuführen. Und wie machen wir das? Indem wir sie zu unserer Chefsache machen und sie in die Liste der Dinge aufnehmen, um die wir uns täglich kümmern. Ich glaube, damit könnte man eine Menge erreichen. Wenn jeder soviel Arbeit in unsere Demokratie investieren würde, wie in seine Zimmerpflanzen oder Haustiere, dann hätten wir wahrscheinlich einen Musterstaat. Vielleicht brauchen wir den gar nicht, aber so wie zur Zeit kann es jedenfalls nicht weitergehen. Deswegen wollte ich Sie bitten, etwas zu tun: Schreiben Sie Ihrem Abgeordneten, wenn Ihnen etwas nicht gefällt, oder rufen Sie ihn an. Unterschreiben Sie eine Petition oder rufen Sie eine ins Leben. Klagen Sie gegen den Abriß unserer Verfassung vor dem Bundesverfassungsgericht. Beschweren Sie sich bei den Medien über ihre kritiklose Berichterstattung und/oder bestellen Sie sie ab. Bestehen Sie auf Ihren demokratischen Rechten. Wenn Sie schon wählen gehen, dann wählen Sie bitte nicht mit Wahlmaschinen.

Und, last but not least,  tun Sie hin und wieder bitte auch etwas für diese Website. 
Aber nicht vergessen, die Blumen zu gießen.


Ich wünsche Ihnen einen guten Rutsch und ein gutes neues Jahr 2007.

Ihr Gerhard Wisnewski