x-mas-tree.png

 

 

 

 

 

 

 

Ich wünsche allen Freunden und Lesern schöne Weihnachten und ein schönes neues Jahr 2018! Vielen Dank für das Interesse und die Unterstützung in 2017! Mögen alle Hoffnungen in Erfüllung gehen und sich alle Befürchtungen nicht bewahrheiten. Ihr Gerhard Wisnewski

GW unterstuetzen!

untersttzen.gif

Bitte um Unterstuetzung!

Konto
DE83 7015 0000 0098 1348 36
SSKMDEMMXXX
Summe

vvv 2016 Buchvorstellung

Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spam-Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
Libanon-Einsatz 1. Teil: Schiffe Versenken im Mittelmeer PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Gerhard Wisnewski   
Sunday, 29. October 2006

Politik

Mit dem Flottenboot ins Morgenrot: Das Flottendienstboot Alster.

Von Gerhard Wisnewski

"Die Flugzeuge absolvierten mehrere Überflüge, wobei sie die Fregatte Karlsruhe mit Raketen und ihren Bordkanonen angriffen. Nachdem die Munition der ersten Welle von Kampfflugzeugen erschöpft war, erfolgten weitere Anflüge von Kampfflugzeugen, um den Angriff mit Raketen, Bordkanonen und Napalm fortzusetzen.  Nachdem die Kampflugzeuge ihre Angriffe beendet hatten, kamen drei Torpedoboote und begannen 35 Minuten nach dem Beginn des Luftangriffes eine Oberflächenattacke. Die Torpedoboote schossen insgesamt fünf Torpedos ab, von denen einer die Flanke der Karlsruhe traf. Zusätzlich zu den acht, die während des Luftangriffs gestorben waren, wurden 26 Matrosen bei dieser Explosion getötet."

Noch ist dieses Szenario Phantasie. Aber eine Phantasie mit realem Hintergrund.



"Donnerstagmorgen im Marinestützpunkt Wilhelmshaven. Der Himmel ist blau, die Nordsee freundlich, die Soldaten haben die Stiefel poliert", schrieb der Tagesspiegel am 22. September 2006 über den Abschied des deutschen Flottenverbandes in Richtung Libanon: "Am Pier liegen wie große graue Tiere acht Kriegsschiffe der Bundeswehr, die jeden Moment zu einem Unternehmen ausrücken, das 'historisch' ist, noch bevor es begonnen hat. Die Bundesrepublik schickt 1500 Soldaten ins Mittelmeer, sie sollen vor der Küste des Libanon geschmuggelte Waffen, bestimmt für die radikal-islamische Hisbollah, abfangen." Und, schreibt die Reporterin, "man könnte fast lachen über dieses Szenario, das zeitweilig wirkt wie absurdes Theater." 

Nun, es ist ein absurdes Theater. Denn:

Die Waffen für die Hisbollah kommen gar nicht auf dem Seeweg, sondern auf dem Landweg in den Libanon. Und wenn doch welche über den Seeweg kommen sollten, darf die Bundeswehr die Waffen gar nicht beschlagnahmen, sagte jedenfalls Report München am 9. Oktober 2006.

Kein Witz: Auf die Frage: „Mal angenommen, sie finden Waffen auf einem Schiff, das Sie durchsucht haben. Was machen Sie dann, wie geht es weiter?“, antwortete  Fregattenkapitän Baldur Bardischewski einem Journalisten von Report München: „Das sind Fragen, die offen sind, weswegen wir jetzt auslaufen, um vor Ort mit den libanesischen Behörden, die es zu unterstützen gilt und denen, die bisher dort stationiert sind, genau diese Fragestellungen zu klären. Es gibt dann noch einige Fragen, die offen sind, und die müssen jetzt angegangen werden, bevor wir dort unseren Auftrag übernehmen können.“

Soso. Und "Was passiert eigentlich", stellte Report München die naheliegende Frage, "wenn die deutsche Marine bei Kontrollen tatsächlich Waffen findet?"

„Wenn wir da Verdacht haben," antwortete Kaptän zur See Dirk Koch, "dann müssen wir sehen, wie wir mit diesem Verdacht umgehen..."

Hier einige Vorschläge:

  • beleidigt gucken
  • verschnupft hüsteln
  • doll schimpfen

Also: In Wirklichkeit gibt es vor der Küste des Libanon für die Bundesmarine keinen Haufen Waffen zu beschlagnahmen. Und wenn doch, dann dürfen die Deutschen das überhaupt nicht. Sie dürfen die Waffen, sagen wir: nur mit Nachdruck besichtigen. Schließlich will doch kein Mensch, daß der Nachschub für die Hisbollah, sollte ein Teil davon wirklich über See abgewickelt werden, wirklich gestoppt wird. Immerhin wird die Hisbollah noch als Feindbild und Kriegsgrund gebraucht.

In Wirklichkeit gibt es vor der Küste des Libanon keine Waffen zu beschlagnahmen, sondern einen Haufen Fragen zu klären. Irgendwie müssen sich vor dieser Küste in den letzten Jahren soviele Fragen angesammelt haben, daß man gleich acht Schiffe und bis zu 2.500 Mann Besatzung braucht, um sie aus dem Weg zu räumen. Sozusagen so eine Art Fragen-Zerstörer bzw. -Fregatten, was sich da auf den Weg gemacht hat. Na dann: Feuer frei, meine Herren.

Apropos "Feuer frei": Die Angst, daß deutsche etwa mit israelischen Soldaten aneinander geraten könnten, sei völlig unbegründet, ließ die Politik ausrichten. "Der israelische Botschafter in Deutschland, Schimon Stein, bezeichnete im Berliner 'Tagesspiegel', Warnungen vor einer Konfrontation von deutschen und israelischen Soldaten als unbegründet. 'Ich sehe diese Gefahr nicht, weil dieses Szenario völlig theoretisch ist', sagte Stein. Die deutschen Soldaten würden nicht an der libanesisch-israelischen Grenze eingesetzt, sondern leisteten ihren Dienst zur See."

 

"Huhu, ich bin der neue Sheriff!": Die Bundeswehr im Kriegsgebiet.

 

Logisch. Und da kommen israelische Soldaten schließlich überhaupt nicht hin - wie denn auch? Etwa in von Deutschland gelieferten U-Booten? Oder in F-16 Kampfjets: Den 40 bis 50 Kilometer breiten Libanon zu überfliegen, dauert für eine F-16 bloß einige Minuten. Überhaupt liegen hier verschiedene semikritische Massen nur einige Flugminuten voneinander entfernt: Syrien, Libanon, Israel, Palästina. Die syrische Hauptstadt Damaskus liegt nur wenige Kilometer hinter der Grenze zum Libanon, in dem Israel vor kurzem massive Militäroperationen durchgeführt hat. Die Membranen zwischen den semikritischen Massen sind nur noch hauchdünn. Die Entfernungen sind ebenso kurz wie die Vorwarnzeiten. Auch von Israel aus sind es zum Einsatzgebiet des deutschen und europäischen Flottenverbandes nur ein paar Flugminuten. Das ganze gleicht einem extrem schnellen Videospiel: Anfliegende Maschinen müssen schnell erkannt und identifiziert, gegebenenfalls beschossen werden, bevor es zu spät ist. Wer zuletzt schießt, stirbt als erster. Für die israelischen Piloten ist es äußerst gefährlich, hier so vor der Nase der deutschen Flotte herumzutänzeln. Aber nicht nur für die israelischen Piloten, sondern auch für Israel, für Deutschland und vielleicht auch für die ganze Welt. Ein kleiner Fehler, schon liegt eine israelische F-16 im Bach. Die Folgen sind unabsehbar.

Ein anderes Szenario: Man stelle sich einen Saloon vor, in dem sich ein paar Revolverhelden  mit extrem nervösem Zeigefinger gegenüber stehen. Plötzlich fliegt die Tür auf, ein adretter Fremder, den hier niemand kennt, betritt die Szene und ruft: "Huhu, ich bin der neue Sheriff...!" Welche Überlebenschancen würden Sie dem Sheriff wohl einräumen?

 

 
Von links nach rechts: die Speisekarte der US-Neocons: Libanon, Syrien, Irak, Iran.

 

Nur geringe, wahrscheinlich. Und dennoch ist das genau das, was die Bundesmarine  vor der Küste des Libanon macht. Daran sehen Sie auch den verantwortungslosen Charakter dieses Einsatzes. Eine Konfrontation kann jederzeit drohen, und sei es aufgrund von Mißverständnissen. Die Kontrahenten belauern sich nicht nur dicht an dicht, die Lage ist auch an ansonsten äußerst unübersichtlich.Geheimdienste tummeln sich allerorten, und wer hier Freund ist und wer Feind bekommt man möglicherweise erst dann heraus, wenn es zu spät ist. So kann ein Neuankömmling zum Spielball verschiedenster, nicht immer identifizierbarer Interessen werden.

Kaum war die Bundeswehr da, erwiesen sich auch schon die Aussagen des israelischen Botschafters Stein als unbegründet.  Am Mittwoch, dem 25. Oktober 2006, seien plötzlich sechs israelische Kampfjets in 500 Metern Höhe  über die Köpfe der Besatzung des Flottendienstbootes "Alster" hinweggedonnert, schrieb die Sächsische Zeitung online am 28. Oktober: "Vom Flottendienstboot der deutschen Marine aus wurden mit hochauflösenden Kameras Bilder der israelischen Flugzeuge gemacht. Der Abwurf zweier 'Wärmetäuschkörper' zur Raketenabwehr ist ebenso dokumentiert wie die Abgabe zweier Schüsse aus der Bordkanone eines Jägers vom Typ F 16."

Aber warum gerade die Alster? Nun, die Flottendienstboote der OSTE-Klasse, zu denen die Alster gehört, "sind als hocheffiziente Frühwarn-, Fernmelde- und Aufklärungseinheiten konzipiert", heißt es bei der Bundesmarine. "Sie sind mit hochmodernen, elektromagnetischen, hydroakustischen und elektro-optischen Ortungsgeräten ausgestattet und sind in der Vergangenheit bereits mehrfach mit großem Erfolg für Aufgaben der strategischen Informationsgewinnung in Krisengebieten eingesetzt worden." Und dieses Schiff ist nicht etwa Teil des "angeforderten" UNO-Flottenverbandes, sondern wurde von den Deutschen auf eigene Faust mitgeschickt, und zwar „zum Schutz unserer Schiffe“, so ein Sprecher von Kriegsminister Franz Josef Jung. Eine weise Entscheidung, die man von dem Mann gar nicht mehr erwartet hätte. Da die Alster nur in internationalen Gewässern operieren sollte, brauchten die Deutschen Niemandes Genehmigung für den Einsatz des Aufklärungsschiffes. Die Alster ist also Auge und Ohr des UNO-Flottenverbandes, dessen Hauptteil die deutschen Schiffe sind. Die Alster verfügt für die Drehbuchautoren dessen, was demnächst in diesem Gebiet ablaufen soll, über zwei unangenehme Eigenschaften:

  1. Aufklärung und Frühwarnung
  2. Beobachtung, Dokumentation und Beweissicherung

Ein unbequemer Zeuge also?  Soll die Bundesmarine lieber blind und  taub vor der libanesischen Küste dümpeln und von dem, was unvermeidlich kommen wird, kalt erwischt werden? Ohne für den wahren Ablauf hinterher irgendwelche Beweise zu haben?

(P.S.: Laut Radioberichten vom Sonntag, 29.10.06, soll es einen weiteren Zwischenfall mit israelischen Kräften gegeben haben, bei dem ein deutscher Hubschrauber bedrängt worden sein soll.)

Lesen Sie morgen im 2. Teil "Remember the Maine", wie schon ein einmal ein Schiff  fast und ein anderes vollständig versenkt wurde und so ein Krieg provoziert wurde.