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Aus dem Vorwort: Darf man so ein Buch überhaupt schreiben? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Gerhard Wisnewski   
Sunday, 31. May 2009

haider_buch_cover.jpgPuh - darf man so ein Buch überhaupt schreiben? Schließlich ist sein Thema der plötzliche und unerwartete Tod eines „Rechtspopulisten“, „Rechts-Politikers“, ja vielleicht sogar eines „Nazis“ oder „Neonazis“. Und solche Leute können sterben, wie sie wollen – Fragen soll man darüber keine stellen dürfen. Ja, wo kritische Geister sonst alles und jeden hinterfragen - bei einem Mann wie dem österreichischen Politiker Jörg Haider, der am 11. Oktober 2008 bei einem „Verkehrsunfall“ plötzlich und unerwartet verstarb, hört das Denken blitzartig auf. Da darf man nicht fragen, sondern nur nachtreten:

„Kaum war ich unlängst nach längerer Zeit mal wieder in Wien gelandet“, schrieb ein Kollege von mir, dessen Namen ich hier aus Wertschätzung verschweige, „da spult sich keine fünf Stunden später Landeshauptmann Jörg Haider an einem Betonpfosten auf - sturztrunken und mit 140 Sachen.“

Wie Jörg Haider, dieser immerhin führende Politiker Österreichs, ums Leben gekommen ist, soll keine Rolle spielen. Ja, mehr noch, sein Ableben wird ganz offen begrüßt: „Ich sollte öfter nach Österreich kommen, vielleicht geht dann jedes Mal ein Nazi drauf“, habe er sich gedacht. Eine Formulierung, die mich verwunderte, denn immerhin wurde sie von einem anerkannt kritischen Journalisten getroffen. Und immerhin ging es ja hier um ein Menschenleben - „Rechtspopulist“ oder „Nazi“ hin oder her. Ja, der geschätzte Kollege drängte sogar, sich nicht weiter mit dem Haider-Unfall zu beschäftigen: Nicht jedes überraschende Ereignis sei „das Ergebnis planvoller Strippenzieher und dunkler Mächte. Dass jemand sich alkoholisiert und mit reichlich überhöhtem Tempo mit dem Auto überschlägt kommt ca. jedes Wochenende 2-3 mal vor.“ Deshalb hätten auch jene Publizisten völlig Recht, die fordern, sich in Deutschland mit dem Haider-Unfall „keine Sekunde länger zu beschäftigen“. Wer in die „Geheimnisse“ Österreichs eintauchen wolle, „etwa in die deprimierende Liaison von Kruzifix und Hakenkreuz in Kärnten und anderswo“, solle „vielleicht eher den Büchner-Preisträger Josef Winkler oder Jelinek oder Bachmann lesen...“


Danke für den Tipp. Freilich war das nicht der einzige.

Während ich recherchierte und auch im Internet über den Fall Haider schrieb, wurde ich mit der knallharten Doppelmoral aller politisch Korrekten konfrontiert, die da lautet: Ist es denn nicht egal, ob ein Rechter ermordet worden ist? „Ich bin seit zwanzig Jahren mit einer Österreicherin verheiratet und weiß deshalb durch enge Kontakte zu Österreich, was Haider war: ein Neonazi“, schrieb mir zum Beispiel ein Leser, der mich fragte, warum ich mich überhaupt mit diesem Fall beschäftige. Offenbar gilt für „Rechte“ oder gar „Neonazis“ das Recht auf Leben nicht; sollte sie jemand ermorden, so ist es ganz in Ordnung, wenn hinterher kein Hahn danach kräht. Wer so argumentiert, tritt freilich sämtliche Werte mit Füßen, die er gegen die schrecklichen „Rechten“ zu verteidigen vorgibt. Und er vertritt genau jene menschenverachtende Ideologie, die er bei dem Verstorbenen vermutet.

Deshalb distanziert sich dieses Buch nicht nur von Herrn Haider – sondern auch von seinen Kritikern.

Davon abgesehen erfordert bereits die korrekte politische Geschichtsschreibung die Klärung der Frage, ob die hochpolitische und brisante Figur des österreichischen „Rechtspopulisten“ Jörg Haider in der gegebenen historischen Situation eines natürlichen Todes starb oder nicht. Ein Journalist, der diese Frage ausblen­det, ist wie ein Gerichtsmediziner, der die Obduktion einer ihm nicht genehmen Leiche verweigert. Für einen Gerichtsmediziner darf ein Toter kein Gesicht haben; es darf nur noch um die Frage gehen, wie dieser Mensch zu Tode kam.

Und wäre Haider wirklich ein neuer Hitler gewesen, wie manche nahelegen, würde man dann die Frage, ob er an einem Attentat starb oder nicht, einfach links liegen lassen? Natürlich nicht. Gerade dann würde man sich damit beschäftigen. Die Attentate auf Adolf Hitler wurden schließlich ausführlich untersucht und in dicken Büchern beschrieben. Ist dadurch etwa irgendeiner der Autoren zum Nazi geworden? Ich glaube nicht.

Eine politisch brisante und bedeutende Figur starb plötzlich und unerwartet an einem Scheideweg österreichischer Politik, kurz bevor sie wieder Einfluss auf die Bundespolitik hätte gewinnen können. Daher ist sie schlicht ein Objekt historischer und journalistischer Forschung.

München, im April 2009
Gerhard Wisnewski