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RAF - Die dritte Generation PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Gerhard Wisnewski   
Wednesday, 21. September 2005
Sündenböcke für ganz andere Täter?

Sie wurden als Mörder beschimpft und als Ratten. Jahrelang schauten sie an allen Postämtern und Bahnhöfen von den Fahndungsplakaten herab. Sie sollten Alfred Herrhausen umgebracht haben und Detlev Rohwedder. Sie haben angeblich Karl-Heinz Beckurts in die Luft gesprengt und Gerold von Braunmühl erschossen: die Angehörigen der sogenannten 3. Generation der "RAF". Inzwischen weiß man: nichts von alledem stimmt. In Wirklichkeit waren sie wohl nur Sündenböcke für ganz andere, bis heute unbekannte Täter.

Die sogenannte "Dritte Generation" der "RAF" zerbröselt seit Jahren unter den Händen der Sicherheitsbehörden. Der über lange Jahre als Top-Mann der Untergrundorganisation angesehene Christoph Seidler zum Beispiel, stellte sich im Herbst 1996 den Behörden. Er konnte glaubhaft machen,daß er an keinem der "RAF"-Attentate der letzten Jahre beteiligt war. Der Haftbefehl wurde aufgehoben. Spätestens 1998 brach dieTheorie von der 3. "RAF"-Generation endgültig in sich zusammen: Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" in einer vertraulichen Analyse über die "Rote Armee Fraktion" (RAF) Zweifel daran geäußert, daß einige der per Haftbefehl gesuchten angeblichen RAF-Mitglieder überhaupt jemals zu der terroristischen Gruppe gehört haben. So zähle der in Wien erschossene Horst Ludwig Meyer, der als eines der gefährlichsten Mitglieder der Kommandoebene gegolten habe, möglicherweise gar nicht "zum Kreis der Illegalen". Lebendig wird er davon nicht mehr. "Hinsichtlich der mit Haftbefehl gesuchten mutmaßlichen RAF-Angehörigen Sabine-Elke Callsen, Andrea Klump, Barbara Meyer, Horst Ludwig Meyer" hätten sich mittlerweise "Zweifel an der tatsächlichen Zugehörigkeit zum Kreis der Illegalen ergeben". In den Haftbefehlen der Bundesanwaltschaft werden den Gesuchten Mitgliedschaft in der RAF sowie mehrere Mordanschläge vorgeworfen.

Die hier veröffentlichten Biographien sind selbstredend weder vollständig,noch müssen sie richtig sein, da sie sich zum Teil auf Angaben des Bundeskriminalamtes beziehen. Noch steht fest, daß dies alle Personen sind, die im Zuge des "Terrorisierungsprozesses" der Linken verschwanden, auswanderten oder vielleicht sogar ermordet wurden.

Callsen, Sabine Elke

"Geboren am 18. März 1969 in Hannover. Neben verschiedenen Teilzeitbeschäftigungen studierte sie ab 1981 Tibetologie und Pädagogik an der Universität Hamburg.Verschwand 1984. Gilt als eine der letzten Untergetauchten der sogenannten 3. Generation. Mit ihrem Auftauchen ist wohl in nächster Zeit zu rechnen."

Die obigen Zeilen schrieb ich am 8.10.2001. Eineinhalb Jahre später, am 7. März 2003, stellte sich Sabine Callsen in Frankfurt. Von wegen "RAF": Stattdessen hatte die 42jährige fast 20 Jahre im Nahen Osten gelebt und dort zwei Kinder zur Welt gebracht. Der Haftbefehl vom 16. Dezember 1985n (!) wurde noch am 7. März 2003 gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt.

Grams, Wolfgang Werner

Geboren am 6. März 1953 in Wiesbaden. Von 1972 bis 1974 war er an der Universität Frankfurt für ein Lehramtsstudium eingeschrieben, wurde nach Angaben des BKA jedoch exmatrikuliert. Verschwand 1984. Am 27. Juni 1993 wurde Wolfgang Grams zusammen mit der ebenfalls als "RAF"-Terroristin gesuchten Birgit Hogefeld in Bad Kleinen (Mecklenburg-Vorpommern) "gestellt" und von Polizeibeamten erschossen. Entsprechende Beweismittel wurden jedoch vernichtet. Die Erschießung von Grams gilt bis heute als "Selbstmord". Die Vorgänge führten zu einer Staatskrise (siehe das - leider vergriffene- Buch "Operation RAF" von Landgraeber, Sieker, Wisnewski).

2001 wird die vielseitig verwendbare Leiche Grams zum zentralen Sündenbock der Dritten Generation aufgebaut. Die Taten der Dritten Generation werden teils explizit, teils implizit auf Grams verdichtet. Er wird verantwortlich gemacht für folgende ungeklärte Mordfälle:

- Michael Newrzella, 27.6.1993 Bad Kleinen (laut Behörden)
- Wolfgang Grams, 27.6.1993 Bad Kleinen (laut Behörden)
- Detlev Karsten Rohwedder (verdächtig wg. angebl. Haarfund)
- Alfred Herrhausen (Verdacht wird durch Medien nahegelegt, Film "Black Box BRD")

Der angebliche Topterrorist wird von seiner verhafteten Lebensgefährtin Hogefeld wie folgt charakterisiert: Nach ihrer Kenntnis war Grams "ein sehr ruhiger, eher in sich gekehrter Mensch. Schon an seiner Art sich zu bewegen, war ihm anzumerken, daß Hektik und jede Form von Streß seinem Naturell zuwider lief."

Die angebliche "RAF" rühmt in einem Schreiben (dessen Echtheit wie immer nicht verifizierbar ist) »seine Skepsis gegenüber vorschnellen Entscheidungen,seine Geduld, etwas auch mehr als einmal zu hinterfragen, was von allen anderen Genauigkeit in der Auseinandersetzung gefordert hat und was nicht immer bequem war - damit hat er z. B. dafür gesorgt, alle Aspekte der Situation oder der eigenen Vorstellung anzusehen und nicht nur dieAspekte wahrzunehmen, die einen selbst bestätigen.«

Hogefeld, Birgit Elisabeth

Geboren am 23. Juli 1956 in Wiesbaden. Studierte von 1975 bis 1977 Jura in Frankfurt am Main (ohne Abschluß). Danach war sie als Orgel-Lehrerin tätig.

Verschwand 1984. Am 27. Juni 1993 wurde Hogefeld bei der Polizeiaktion in Bad Kleinen festgenommen.Sie wurde des sechsfachen Mordversuchs und vierfachen Mordes angeklagt - auch an dem in Bad Kleinen wahrscheinlich irrtümlich von seinen Kollegen erschossenen Polizeibeamten Newrzella. Nach einem rechtsstaatlich abenteuerlichen Prozeß wurde sie 1996 zu lebenslanger Haft verurteilt - wegen angeblicher Teilnahme an verschiedenen "RAF"-Anschlägen. In Wirklichkeit beruht das Urteil auf windigen und dünnen Beweisen, weshalb es auch mit Hogefeld nicht gelingt, die Existenz einer 3. Generation der "RAF"
zu beweisen.

Im Jahr 2001 ist Hogefeld aufgrund der angeblichen Verstrickungen ihres toten Lebensgefährten Grams in die Attentate auf Rohwedder und Herrhausen wieder in den Blickpunkt von Fahndung und Öffentlichkeit gerückt.

Klump, Andrea Martina

Geboren am 13. Mai 1957 in Wiesbaden, wohnte bis zu ihrem Verschwinden in Frankfurt. Von 1976 bis 1981 studierte sie dort Völkerkunde mit Soziologie und Politikwissenschaft. Sie brach das Studium ab. Verschwand im Juli 1984. Andrea Klump wurde am 15. September 1999 in Wien verhaftet und am 23. Dezember 1999 nach Deutschland ausgeliefert. Ihr Begleiter Horst Ludwig Meyer wurde dabei erschossen. Die Hauptanklage gegen sie und ihren angeblichen Komplizen Christoph Seidler, die angebliche Beteiligung am Attentat auf Alfred Herrhausen, brach zusammen, als der sie belastende Kronzeuge Siegfried Nonne seine Aussagen in einem Fernsehbeitrag der Autoren des Buches "Das RAF-Phantom" widerrief. Heute sagt sie: "Ich war nie in der RAF organisiert.Weder in der Zeit von meinem Weggehen im Juli 1984 bis 1986 - noch und erst recht nicht zu irgendeinem späteren Zeitpunkt.

Die BAW [Bundeswanwaltschaft; G.W.] will sich nicht damit abfinden, dass sie bis heute Anschläge der RAF aus den 80er Jahren nicht personell zuordnen und noch offene Akten nicht schließen kann. Um diesem Ziel politisch dennoch näher zu kommen, will die BAW mich wider besseres Wissen als Mitglied der RAF verurteilt sehen."

2001 wurde Klump doch noch zu einer Haftstrafe verurteilt, und zwar wegen eines gescheiterten Anschlages im spanischen Rota.

Am 28. September 2004 wurde Klump vom Oberlandesgericht Stuttgart zu einer neuen Gesamtfreiheitsstrafe von zwölf Jahren verurteilt. Angeblich war sie an einem Sprengstoffanschlag auf jüdische Auswanderer aus Rußland in Budapest am 23. Dezember 1991 beteiligt, bei dem vier Businsassen leicht und zwei ungarische Polizisten schwer verletzt wurden.

Wobei sich die Frage stellt, warum angeblich linke "RAF-Terroristen" Anschläge auf jüdische Aussiedler verüben sollten? Oder war Klump gar nicht links, sondern rechts? Ähnliche Fragen gibt es auch in bezug auf Wolfgang Grams.

Tatsache bleibt jedenfalls, daß bis heute der Beweis fehlt, daß Klump an einem der Anschläge der sog. 3. Generation der "RAF" mitgewirkt hat.

Webpage von Andrea Klump
[ist 2005 nicht mehr zu erreichen; G.W.]

Krabbe, Friederike

Geboren am 31. Mai 1950 in Bentheim. Studierte von 1970 bis 1973 in Berlin und Heidelberg Psychologie, Pädagogik und Soziologie, von 1973 bis 1976 in Heidelberg Medizin (jeweils ohne Abschluß). Schloß sich über das Heidelberger "Sozialistische Patientenkollektiv" (SPK) der "RAF" an und gehört damit eigentlich zur zweiten Generation. Verschwand 1975 und gilt demnach als eine "Altverschwundene" der sogenannten "RAF". Die Zeugin Monika von Seckendorff hat am 26. 10. 1997 in der Hauptverhandlung gegen die angebliche "RAF"-Unterstützerin Monika Haas ausgesagt, daß sie nach der Entführung Dr. Schleyers 1977 in einem kleinen Haus in Bagdad zusammen mit Friederike Krabbe und Elisabeth von Dyck gewohnt habe.Danach scheint sich Krabbes Spur zu verlieren. Über das Schicksal von Friederike Krabbe seither ist nichts bekannt.

Meyer, Barbara

Geb. Metzger, geboren am 2. Juli 1956 in Stuttgart, Ehefrau des ebenfalls gesuchten (und inzwischen erschossenen) Horst Ludwig Meyer. Nach vorzeitigem Abgang von der Realschule arbeitete sie zunächst als Telefonistin, dann als Verkäuferin und lebte zuletzt angeblich von Arbeitslosen- und Sozialhilfe. Verschwand 1984. Gegen Meyer wurde unter anderem ermittelt, weil sie 1985 bei einem Überfall auf einen Geldboten bei Tübingen beteiligt gewesen sein soll. Sie stellte sich im Mai1999 bei der Deutschen Botschaft im Libanon. Barbara Meyer konnten Straftaten jedochnicht mit Sicherheit nachgewiesen werden. Im Oktober 1999 wurde sie aus der Untersuchungshaft entlassen. Die Hinweise würden nicht für eine Anklage reichen, teilte die Bundesanwaltschaft im Dezember 2000 in Karlsruhe mit. Im Dezember 2000 stellte der Generalbundesanwalt sämtliche Ermittlungen gegen sie ein. Ihr früherer Ehemann, der mutmaßliche RAF-Terrorist Horst Ludwig Meyer, war Mitte September 1999 in Wien von der Polizei erschossen worden.

Meyer, Horst Ludwig

Geboren am 18. Februar 1956 in Villingen-Schwenningen. Nach Abschluß einer Lehre als Starkstromelektriker arbeitete er bei verschiedenen Firmen in Stuttgart. Zuletzt lebte er angeblich von Arbeitslosen- und Sozialhilfe. Verschwand 1984. Über sein Schicksal war lange Zeit nichts bekannt, bis er am 15. September 1999 in Wien zusammen mit Andrea Klump unter dubiosen Umständen gestellt und erschossen wurde. Siehe auch unter Texte. Da er genau wie andere angebliche Angehörigeder 3. "RAF"-Generation (Seidler, Klump, Barbara Meyer) seit Jahren im Libano nlebte, ist davon auszugehen, daß auch Horst-Ludwig Meyer mit der "RAF" in Wirklichkeit wenig oder nichts zu tun hatte. Nach einer Analyse des Verfassungsschutzes zählte der erschossene Horst Ludwig Meyer, der als eines der gefährlichsten Mitglieder der Kommandoebene gegolten hatte, möglicherweise gar nicht "zum Kreis der Illegalen". Dafür spricht auch, daß sich seine Lebensgefährtin Andrea Klump vehement und glaubwürdig von der "RAF" distanziert hat und letztlich nicht einmal wegen "RAF"-Mitgliedschaft verurteilt werden konnte. Vor diesem Hintergrund ist die Mitgliedschaft ihres Lebensgefährten Meyer in der "RAF" oder gar ihrer "Kommandoebene" ebenso unwahrscheinlich. Die näheren Umstände seines Todes, die an die Vorfälle von Bad Kleinen erinnern, wären daher eine Untersuchung wert.

Seidler, Christoph Eduard

Geboren am 13. Januar 1958 in Heidelberg. Absolvierte 1977 das Abitur an einem Gymnasium in Freiburg und arbeitete dort anschließend als Krankenpfleger. Während eines Studiums der Politikwissenschaften von 1989 bis 1984 in Frankfurt jobbte er als Taxifahrer. Verschwand 1984. Stellte sich am 22. November 1996 den Behörden und wurde wenige Stunden später wieder freigelassen. Der Hauptvorwurf gegen ihn und seine angebliche Mittäterin, die angebliche Beteiligung am Attentat auf Alfred Herrhausen, war schon Jahre zuvor zusammengebrochen, als der ihn belastende Kronzeuge Siegfried Nonne seine Aussagen in einem Fernsehbeitrag der Autoren des Buches "Das RAF-Phantom" widerrief.