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ZDF-Alleskleber: Retusche am Buchcover PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Gerhard Wisnewski   
Friday, 17. November 2006

Medien&Bücher
Amerikanische Soldaten und deutsche Journalisten bekunden ihre Loyalität gern mit einer Flagge.
Von Gerhard Wisnewski


Als ich vor einigen Tagen durch meine Lieblingsbuchhandlung lief, glaubte ich, meinen Augen nicht trauen zu dürfen. Es war nicht so sehr die Tatsache, daß da ein Stapel von Claus Klebers Buch "Amerikas Kreuzzüge" lag. Dieses Buch kannte ich schon, schließlich war ich hier schon darauf eingegangen. Irgendetwas stimmte neuerdings jedoch mit dem Cover nicht, aber was? Irgendwie klaffte da ein blinder Fleck. Bildete ich mir das nur ein, oder thronte Kleber früher vor einer  amerikanischen Flagge auf seinem Buchcover? Nein, das bildete ich mir nicht ein. Im Februar 2005 sah der Einband seines Buches noch so aus wie rechts (außen!). Was natürlich eine Erklärung für die in Sachen USA weichgespülte Meinungsmache des ZDF-Heute Journals sein könnte.

Im November 2005 machte ich auf dieses "US-U-Boot" an der Spitze der deutschen Meinungsmache aufmerksam: "Im ZDF Heute Journal darf seit 2003 der Amerika-Freund Claus Kleber mehr oder weniger versteckt Propaganda für die Politik der Supermacht treiben. Auf dem Buchmarkt wirbt er um Verständnis für 'Amerikas Kreuzzüge' und versucht seinen Lesern zu erklären, 'was die Weltmacht treibt'." Einen Getriebenen kann man natürlich schwerlich für seine Taten verantwortlich machen, und das war wohl auch die Hauptbotschaft von Klebers Buch: "Claus Kleber setzt wohlfeilen Anklagen gegen 'Bushs Amerika' ein differenziertes Bild entgegen", heißt es in der Kurzbeschreibung des Werkes. Die von der Bush-Administration verfolgte Politik des entschlossenen, notfalls militärischen Handelns sei "fest verankert im Bewusstsein der Nation."

Wahr ist davon kein Wort:  In Wirklichkeit wird Amerikas militärisches Auftreten von der Bevölkerung schon seit Jahren abgelehnt, insbesondere der Krieg im Irak. Amerikas Alleinstellung, so die Buchbeschreibung,  werde "auch in Zukunft den Anspruch auf eigenständiges Handeln begründen - eine Haltung, die im Land auf breite Zustimmung stößt." Irgendwie schien Kleber schon damals länger nicht mehr in den USA gewesen zu sein. Oder aber, er spricht nicht unbedingt mit der Bevölkerung, sondern mit anderen Leuten, die gern vor einer amerikanischen Flagge stehen.

Claus Klebers Buch 2005 mit, 2006 ohne amerikanische Flagge. Ob der Mann dadurch politisch unabhängiger wird?
Aber auch zwischen den retuschierten Buchdeckeln ist nichts Gescheites zu finden. Bei amazon erntete Kleber zwar vorwiegend Jubel-Rezensionen, die wenigen kritischen Besprechungen sagen aber alles:
Als Buchautor habe sich der Mann, der sonst hauptsächlich vorgefertigte Texte vom Prompter liest, "überhoben", befindet zum Beispiel ein Rezensent: "Claus Kleber ist in der Tat leider durchaus einzureihen in die 'Koalition der Willigen'. Keinesfalls nämlich versteht er den Buchtitel 'Amerikas Kreuzzüge' als Aufforderung zur sofortigen Unterlassung. (...) Welche Nation am Ende das globale Sagen haben sollte? God's own country natürlich." Ein anderer entdeckte in dem Werk "böse Fehler": "Daß er die wichtigste Stadt North Carolinas, Charlotte, kurzerhand nach South Carolina verlegt, ist schon reichlich oberflächlich. Daß er aber aus dem britischen Premier Harold Wilson einen amerikanischen Präsidenten macht, ist einfach katastrophal. Ich bin erst auf Seite 55 und möchte nicht wissen, was jetzt noch kommt. Ich habe in den letzten Jahren kein Buch mehr gelesen, in dem Fakten so offensichtlich falsch wiedergegeben werden."

Ein Dritter bezeichnete Kleber als "Anwalt der USA":


"Kleber schönt das Säbelrasseln der amerikanischen Regierung im Vorfeld des Irakkrieges, um sie dadurch weniger kriegslüstern darzustellen, als sie tatsächlich war. Er präsentiert die Amerikaner in seinem Buch als eine Art von 'guten Onkels', die für eine schöne neue Welt in den Krieg ziehen - und nicht etwa, weil der Irak 11% der Weltölreserven besitzt.

(...) Dafür erzählt Kleber aber gleich mehrfach (auf den Seiten 209, 226 und 230) das schöne Märchen vom sauberem Krieg, über die angeblich große Präzision der amerikanischen Wunderwaffen, die mit der Genauigkeit von chirurgischen Schnitten 'Kollateralschäden' an Zivilisten vermeiden können."

Zumindest die optische Liebedienerei auf dem Einband scheint dem ZDF-Frontmann inzwischen jedenfalls peinlich zu sein. Denn siehe da: Das Cover der Taschenbuchausgabe vom Mai 2006 gleicht jenem der Hardcover-Edition zwar wie ein Ei dem anderen. Bis auf eine kleine Ausnahme: die amerikanische Flagge fehlt. Es ist ja auch zu blöd, wenn man Propaganda zu offen als solche kennzeichnet.

Mein Fazit: klebrig.


Notiz: erweitert 17.11.2006