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WDR-Kennedy-Doku: Rendezvous mit dem Bluff PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Gerhard Wisnewski   
Tuesday, 15. August 2006

Medien&Bücher

Von Gerhard Wisnewski


"Rendezvous mit dem Blödsinn" hatte ich einen Artikel über die WDR-Kennedy-Dokumentation "Rendezvous mit dem Tod" genannt, ausgestrahlt am 6. Januar 2006 in der ARD. Damit hatte Autor Wilfried Huismann 850.000 Euro Gebührengelder verbrannt, um die Uralt-These aufzuwärmen, Fidel Castro habe den Mordauftrag gegen Kennedy gegeben. Laut WDR "eine politisch brisante Recherche, die den Mord des Jahrhunderts aufklärt.(...) Die bisherige Kennedy-Forschung wird durch die neuen Recherchen revolutioniert." Nun, bekanntlich sollte die Geschichte ja auch durch die angeblichen Tagebücher Adolf Hitlers umgeschrieben werden, bevor sich diese als Fälschung erwiesen. 

 



90 Minuten sind denn auch ein bißchen viel für nackte Propaganda, wie sie der Huismann-Beitrag darstellte. Und 850.000 Euro sind auch ein bißchen viel, nämlich etwa das Zehnfache dessen, was eine normale TV-Doku kostet. Und einige Millionen gelangweilt umschaltende Zuschauer sind ebenfalls ein bißchen viel.

Die Autoren Thomas Scheuer und Uli Martin haben jetzt für Focus (vom 14.8.2006) noch einmal dem Huismann-Film hinterher recherchiert und kamen zu dem Schluß: Daß die Reaktionen auf den Film bis heute "lau" geblieben seien, "mag vor allem an der klischeehaften Inszenierung mit Dunkelmännern und nicht näher identifizierbaren Geheimdokumenten liegen. Entscheidend aber ist, dass sich Huismanns Beweise bei näherer Prüfung als höchst fragwürdig herausstellen, einige erscheinen schlichtweg als Bluff. Etliche Behauptungen der 'historischen Sensation' kursierten zudem schon vor Jahrzehnten."

Wie wahr: die kubanische Spur, die der Film zur brandneuen Sensation hochjubelte, ist in Wirklichkeit ein alter Hut. Und nicht nur das: sie wurde von Geheimdiensten vermutlich absichtlich gelegt, um die USA auf den Kriegspfad mit Kuba zu locken. Vergeblich. Die Spur erwies sich als fadenscheinig und verlief zudem im Sande. Oswalds pro-kubanische Aktivitäten wirkten aufgesetzt und künstlich, da er in Wirklichkeit Verbindungen zur exilkubanischen und Castro-feindlichen Szene pflegte. Oswald erschien daher wie ein exilkubanischer Agent, dem eine prokubanische Maske verpaßt werden sollte. Bei Huismann wird die alte Kuba-Oswald-Legende als das reinste journalistische Manna verkauft. Und das geht natürlich nur, wenn die Frage, ob das winzige Kuba es wirklich hätte wagen können, den Präsidenten der USA zu ermorden, konsequent ausgeblendet wird.

Im Film läßt Huismann zudem einen einstigen FBI-Agenten namens Laurence Keenan auftreten, der behauptet, bei seinen Ermittlungen in Richtung Kuba von der US-Regierung gebremst worden zu sein: "Die US-Regierung habe nämlich von der kubanischen Drahtzieherschaft gewußt, dies aber aus Furcht vor einem dritten Weltkrieg zurückgehalten". (Focus) Nichts davon scheint zu stimmen, denn bei einer Aussage vor der Church-Kommission, die 1976 Machenschaften der US-Dienste untersuchte, habe Keenan glatt das Gegenteil behauptet, nämlich - so Scheuer/Martin -  "es habe keinerlei politische Einflussnahme auf seine Ermittlungen gegeben".

Der nächste WDR-Flop: ein angebliches Geheimdossier für den Kennedy-Nachfolger Johnson, das Huismanns Kuba-These stützen soll, wurde nach den Focus-Recherchen erst 20 Jahre nach Johnsons Tod verfaßt, und zwar als Ideenskizze für einen Buchautor.

Einen von der Dokumentation präsentierten Zeugen habe ein Sonderausschuß schon 1978 als "unglaubwürdig" bezeichnet: "Er habe das Gremium 'belogen' und dessen 'Zeit verschwendet'."

Ein weiterer Zeuge spricht in dem Film über den Inhalt eines Telegramms vom 18. Juli 1962, angeblich unterzeichnet vom stellvertretenden KGB-Chef Wladimir Krjutschkow. Das Problem: Der Mann sei erst 1967 zum KGB gekommen, so Scheuer/Martin.

Schließlich sollte ein "Schattenmann" namens Oscar Marino die Verstrickung des kubanischen Geheimdienstes in den Kennedy-Mord bezeugen. Doch den Echtnamen des Mannes nenne Huismann nicht, so die Focus-Journalisten: "Der Film zeigt den Mann schräg von hinten, das Gesicht bleibt verdeckt."

Fazit der Autoren: "Der lockende Medien-Scoop scheint etwaige Kontrollinstanzen im Sender verführt zu haben."

Selbst "als der langjährige WDR-Journalist und 'Monitor'-Autor Ekkehard Sieker die Filmthesen anzweifelte und schließlich schriftlich um systematische Überprüfung bat, bekam er keine Antwort", so Focus. (Sieker ist auch Co-Autor des Buches "Das RAF-Phantom".)

Doch ist der Ruf erst ruiniert, lebt sichs völlig ungeniert: Fernsehdirektor Ulrich Deppendorf lobt die abgestandenen beziehungsweise falschen Thesen Huismanns laut Focus noch immer über den grünen Klee: "Huismanns Beweisführung sei 'plausibel', die Zeugen 'valide', seine journalistische Leistung 'herausragend'".

Unter demselben Deppendorf wiederum können andere Dokumentationen, die keine Geheimdienst-Thesen verbreiten, ganz einfach zensiert werden und verschwinden. Und die Autoren mit Beschäftigungsverbot belegt werden, wie im Fall von "Aktenzeichen 11.9. ungelöst". Ein interessanter Gegensatz, der zu denken gibt: Sind beim WDR Propaganda-Beiträge etwa besser gelitten als unabhängiger Journalismus? Und sind Autoren, die den Diensten - natürlich unbewußt - den einen oder anderen Gefallen erweisen, etwa besser gelitten, als Autoren, die das nicht tun?

Mut macht immerhin, daß das Publikum nicht so dumm ist, wie die WDR-Bosse glauben. Es stimmte nämlich mit der Fernbedienung über die WDR-Verschwörungstheorie zum Tode Kennedys ab. Sahen zuvor noch 7,1 Millionen Zuschauer die ARD-Sendung "Rose unter Dornen", waren es bei Huismann nur noch 2,1 Millionen. Womit die "Dokumentation" nicht nur Gebührengelder, sondern auch noch die Quote vernichtete.

Berichte auf dieser Seite:

Wenn Propaganda zur Enthüllung reift
http://www.gerhard-wisnewski.de/modules.php?name=News&file=article&sid=103

Rendezvous mit dem Blödsinn
http://www.gerhard-wisnewski.de/modules.php?name=News&file=article&sid=121