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Ostern-Nachlese: Die Leiden des Herrn J. PDF Drucken E-Mail
Friday, 18. January 2008

Medien&Bücher

Von Gerhard Wisnewski

Sicher, ich bin spät dran. Aber erst an Ostern habe ich mir die "Passion Christi" angeschaut - Sie wissen schon: jenen skandalbeladenen Film über den Leidensweg Christi, dessentwegen Regisseur Mel Gibson als Antisemit bezeichnet wurde. Nun gehe ich natürlich nicht jeden Abend mit der Bibel ins Bett, aber wenn ich das richtig sehe, hat sich Gibson ganz einfach an die Bibel gehalten. Und zwar geradezu drehbuchmäßig. Zwar hat er bestimmte Evangelien ausgewählt und gemischt, aber die entscheidenden Szenen, um die es ging, werden in der Bibel genauso geschildert: Der Römer hat nichts gegen Jesus, will ihn laufen lassen, die Juden wollen ihn am Kreuz hängen sehen und lieber einen Mörder freilassen. Das steht nun mal da drin. Ist deshalb die Bibel antisemitisch? Es steht zu befürchten.

Allerdings kann die ganze Geschichte ohnehin nicht stimmen (hoffentlich haben die professionellen Philosemiten überhaupt bis hierhin gelesen). Dazu gleich mehr.

Die christlichen Kirchenoberen können jedenfalls nicht klagen, denn Gibson taucht den Zuschauer in ein Meer von Blut. Schließlich hat er auch selbst erklärt, zeigen zu wollen, wie Jesus für die Menschheit gelitten hat. Braver Kerl. Und so walzt er das Leiden Christi bis zum Gehtnichtmehr aus; das Blut spritzt nur so aus dem Fernseher bzw. von der Leinwand, so daß mir meine alte Idee wieder in den Sinn kam, den Antrag zu stellen, die Bibel auf den Index der jugendgefährdenden Schriften zu setzen - wo sie eindeutig hingehört. Schließlich ist die Passion Christi noch eine der harmloseren Stellen. Aber nein: Während hierzulande bigotte Politiker über jugendgefährdende Videospiele diskutieren, ist das sadomasochistische Gemetzel ab 16 Jahren freigegeben. Die Bibel selbst kennt überhaupt keine Altersbegrenzung.

Gibson erneuert brav das nach 2.000 Jahren etwas abgestandene Schockerlebnis, das die Kirchenschäflein wieder bereit macht für die ganze Schuld- und Sühnebotschaft. Sie meinen, das funktioniert nicht mehr? Und ob: Man sitzt ziemlich betroffen vor dem Fernseher. Aber schließlich erkennt man auch die Absicht und ist verstimmt: Den Bibelautoren kam es ganz offensichtlich darauf an, möglichst viel Leid auf einen Menschen zu laden, ohne Rücksicht darauf, ob dieser das überhaupt überleben kann. Denn die in der Bibel und in Gibsons Film erwähnten Qualen hätten mindestens für drei Jesusse gereicht.

Schon nach der schweren Geißelung ist der Mann eindeutig todgeweiht. Jedenfalls, wenn wir Gibsons Schilderung ernst nehmen. Neben dem Blutverlust muß ihm auch massive Dehydrierung zusetzen; Menschen in Angst- und erst recht in Foltersituationen pflegen sich die Seele aus dem Leib zu schwitzen, weshalb man in solchen Situationen auch von "Blut, Schweiß und Tränen" spricht. Alle drei gehören zusammen, nur in der Bibel, resp. bei Gibson, nicht. Seine Schilderung ist deshalb auch nicht realistisch, sondern nur pseudorealistisch. Überleben kann sein Herr J. vorerst nur, weil er ein paar Sachen wegläßt. Nur einmal, nach der gezeigten Geißelung, nach der kein Mensch mehr stehen könnte, wagt Herr J. einen kurzen Blick auf die Schale Wasser, in der sich Pilatus die Hände wäscht - um dann umgehend einen Nachschlag zu verlangen - nicht Wasser, sondern Leiden. In Wirklichkeit müßte J. allein schon aus Wassermangel im Koma liegen. Dazu kommen aber noch schwere Schmerzen und Blutverlust. Der Mann ist eindeutig nicht mehr transportfähig, und zwar im doppelten Sinn des Wortes: Zumindest könnte er selbst keinen Grashalm mehr transportieren.


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In Wirklichkeit sähe die Geschichte so aus: Seine Verwandten und Freunde würden ihn mit nach Hause nehmen und ihn dort bis zu seinem unmittelbar bevorstehenden Tode pflegen. Sollten Blut- und Wasserverlust nicht reichen, würden eine Sepsis, Wundstarrkrampf und andere einschlägige Komplikationen das ihrige tun. Ende der Geschichte.

Kommen Sie mir jetzt nicht mit übermenschlichen Kräften: Die Bibel bzw. Gibson zeigt hier einen leidenden Menschen und keinen Gott. Entweder ist er ein leidender und blutender Mensch, dann ist er kein Gott - und umgekehrt. Man muß sich hier schon mal entscheiden, und die Bibel hat sich entschieden, denn um Mitleid und Schuld zu produzieren, benötigt man ein leidensfähiges Subjekt ohne jede göttliche Hintertür. Sonst wäre die Luft raus.

Bis zum Ende der Geißelung wäre die Sache vielleicht noch glaubwürdig gewesen, aber nun beginnt die für jede Propaganda typische Überdrehung. Herr J. wird noch gebraucht. Er kann nach der schweren Geißelung nicht einfach in Ohnmacht fallen oder gar das Zeitliche segnen. Der zu Tode Gegeißelte muß nun auch noch sein Kreuz auf einen Hügel schleppen. Und auch danach ist er nicht etwa tot, sondern haucht  erst nach stundenlanger Kreuzigung sein Leben aus.

Leben? Welches Leben? Während Katzen sieben Leben nachgesagt werden, hat Herr J. mindestens drei: eins für die Geißelung, eins für den Kreuzweg und eins für die Kreuzigung. Obwohl es gar nicht so aussieht und dieser Eindruck durch das ständige Leiden verwischt wird: Herr J. ist in Wahrheit ein Supermann. Das Problem ist nämlich nicht nur, daß er nach der Geißelung noch sein Kreuz auf einen Hügel schleppt. Das Problem ist auch, daß das nicht einmal ein normaler und gesunder Mann hätte schaffen können.

Um einen Menschen daran zu hängen, müßte das Kreuz etwa zwei Meter aus dem Boden ragen und mindestens einen Meter im Boden stecken - wenn nicht zwei. Aber wir wollen mal nicht so sein. Der Querbalken müßte mindestens zwei Meter messen, was eine Gesamtholzlänge von fünf Metern ergibt. Anders als seine Mitverurteilten, muß Herr J. das Kreuz als Ganzes schleppen, sonst wäre die Symbolik hin. Hat den Römern an dieser Symbolik gelegen? Wohl kaum. Also muß es eine Erfindung der Bibelautoren sein. Als Querschnitt des Balkens nehmen wir 20 mal 20 Zentimeter an, woraus sich ein Holzvolumen von 200000 Kubikzentimetern ergibt. Jetzt fehlt nur noch die Dichte: Aus welchem Holz mag das Kreuz wohl bestanden haben? Aus Olivenholz? Das hätte eine Dichte von 1, ist aber eher unwahrscheinlich, denn so leicht kann man aus den krummen Olivenbäumchen keine drei oder vier Meter langen Balken schneiden.

Da ich das Holz nicht kenne, nehme ich die mittlere Holzdichte von 0,75 an. 200000 Kubikzentimeter mal 0,75 macht 150 Kilogramm. Damit sind wir beim Gewichtheben schon im Hochleistungsbereich.

Nun hebt Herr J. dieses Kreuz aber nicht nur; er schleppt es auf seinem zerpeitschten Rücken auch noch einen Hügel hinauf. Irgendwann billigen ihm die Bibelautoren zwar Hilfe zu, aber dadurch wird die Geschichte nicht wahrscheinlicher. Selbst, wenn man jetzt noch ein wenig Kosmetik an der Holzdichte oder am Querschnitt des Balkens betreibt, käme man immer noch auf mindestens 100 Kilo, also zwei Zentner. No way - Ende der Geschichte. Zumindest alle Zimmermänner müßten Atheisten sein. Einschließlich Herrn J.'s selbst - denn der soll schließlich ebenfalls Zimmermann gewesen sein.



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